★ Praxis-Guide · Stand Oktober 2026
Richtige Online Marketing Agentur in Österreich: 10 Kriterien als Checkliste
Zehn Kriterien, eine Punkteskala: Mit dieser Checkliste bewertest du Online-Marketing-Agenturen nachvollziehbar – von Referenzen über Datenbesitz bis zum Kultur-Fit.
Drei Angebote liegen am Tisch, alle klingen gut, alle versprechen mehr Anfragen. Spätestens jetzt brauchst du einen Maßstab. Diese Checkliste ist genau dafür gemacht: Du legst jede Agentur neben dieselben zehn Fragen und vergibst Punkte. Wie du überhaupt zu dieser Shortlist kommst, zeigt dir unser Guide zum Auswahlprozess in sieben Schritten.

Woran du die richtige Online Marketing Agentur erkennst
Die richtige Online Marketing Agentur ist nicht die mit dem schönsten Pitchdeck, sondern die, die bei den Punkten unten am wenigsten Fragen offenlässt. Nicht jedes Kriterium wiegt für dich gleich schwer – ein Handwerksbetrieb in Graz setzt andere Schwerpunkte als ein Onlineshop mit Kund:innen in ganz Österreich. Gewichte daher zuerst, bewerte danach.
1. Referenzen
Lass dir zwei bis drei Projekte zeigen, die deinem ähnlich sind, idealerweise mit Ansprechpartner:in, die du anrufen darfst. Logos auf der Website sind kein Beleg. Frag, welches Ziel das Projekt hatte und was konkret erreicht wurde.
2. Spezialisierung
Prüfe, wo der Schwerpunkt wirklich liegt. Wer SEO, Ads, Social Media, Video und Webdesign gleich stark anbietet, hat oft ein kleines Kernteam und viele Partner. Bei Google Ads hilft ein Blick auf den Partner-Status: Laut Google setzt das Abzeichen einen Optimierungsfaktor von mindestens 70 Prozent, 10.000 US-Dollar Werbeausgaben in 90 Tagen und zertifizierte Mitarbeitende voraus.
3. Transparenz
Du solltest verstehen, wofür du zahlst: Stunden, Pauschale oder Prozent vom Budget, und was darin enthalten ist. Vorsicht bei Garantien. Google selbst schreibt in seinen Hinweisen zur Suchmaschinenoptimierung, dass niemand eine Platzierung auf Platz eins garantieren kann.
4. Reporting
Lass dir ein Beispielreporting zeigen, bevor du unterschreibst. Gute Berichte verknüpfen Kennzahlen mit deinen Zielen und erklären, was als Nächstes passiert. Welche Werte bei SEO zählen, liest du in unserem Beitrag zu SEO-Reporting und den wichtigen KPIs.
5. Kontozugriff und Datenbesitz
Google-Ads-, Analytics- und Search-Console-Konten sollten auf dein Unternehmen laufen, die Agentur bekommt Nutzerrechte. Laut Google-Ads-Hilfe kann nur die Zugriffsebene Administrator Nutzer verwalten; Google rät zu mindestens zwei Admins. In Google Analytics 4 darf ebenfalls nur die Rolle Administrator Nutzer hinzufügen und entfernen. Behalte diese Rolle selbst.

6. Vertragslaufzeit
Achte auf Mindestlaufzeit, Kündigungsfrist und Exklusivität. Das unverbindliche Muster für einen Agenturvertrag des WKO-Fachverbands Werbung und Marktkommunikation (Stand Mai 2026) sieht eine unbestimmte Laufzeit mit Kündigung zum Monatsende vor, die Frist bleibt offen – verhandle sie. Das Muster enthält auch eine Exklusivitätsklausel, die du kennen solltest.
7. Ansprechpartner
Frag, wer dein Projekt im Alltag betreut und wer im Urlaubsfall einspringt. Lern diese Person schon vor Vertragsabschluss kennen, nicht nur die Geschäftsführung, die den Termin führt.
8. Preise
Vergleiche Preise immer mit dem Leistungsumfang. Der Herold-Ratgeber nennt für österreichische SEO-Agenturen Stundensätze von 80 bis 180 Euro, für spezialisierte Senior-Berater:innen 200 bis 300 Euro. Lass dir außerdem erklären, ob nach Stunden, Pauschale oder Prozent vom Werbebudget abgerechnet wird. Laut WKO-Muster-AGB sind Kostenvoranschläge unverbindlich, Überschreitungen bis 15 Prozent gelten dort als genehmigt.
9. Kommunikation
Wie schnell kommt eine Antwort, wie verständlich ist sie? Achte schon im Angebotsprozess darauf: Wer jetzt drei Tage braucht oder dich mit Fachjargon zudeckt, wird es später nicht besser machen. Begriffe, die dir unklar sind, schlägst du im Online-Marketing-Glossar nach.
10. Kultur und Fit
Passt die Arbeitsweise zu deiner? Manche Teams wollen wöchentliche Calls, andere ein Reporting pro Monat. Ein kurzes, bezahltes Testprojekt zeigt schneller als jedes Gespräch, ob die Zusammenarbeit funktioniert.
Belege
Referenzen und Reportings statt Versprechen.
Kontrolle
Konten und Admin-Rechte bleiben bei dir.
Klarer Vertrag
Laufzeit, Rechte und Kosten schriftlich.
Passung
Ansprechpartner und Arbeitsweise passen.
So wertest du die Checkliste aus
Bewerte jede Agentur mit einer einfachen Skala. So bleibt der Vergleich fair, auch wenn eine Präsentation besonders beeindruckt hat:
- Gewichtung: Jedes Kriterium bekommt 1 (nice to have) bis 3 (unverzichtbar)
- Bewertung: Pro Agentur 0 (fehlt), 1 (teilweise) oder 2 (voll erfüllt) Punkte
- Ausschluss: Fehlt der Kontozugriff oder gibt es Ranking-Garantien, ist die Agentur raus
- Gegencheck: Den Sieger mit einer Referenz telefonisch bestätigen lassen
| Kriterium | Gute Antwort | Warnsignal |
|---|---|---|
| Referenzen | Vergleichbare Projekte mit Kontaktperson | Nur Logos, keine Details |
| Transparenz | Aufgeschlüsselte Leistungen | Pauschale ohne Inhalt, Garantien |
| Datenbesitz | Konten auf deinen Namen, du bist Admin | Konten laufen über die Agentur |
| Vertrag | Verhandelbare Kündigungsfrist | Lange Bindung ohne Ausstieg |
| Ansprechpartner | Feste Person, Vertretung geregelt | Wechselnde Zuständigkeiten |
Viele dieser Warnsignale gelten besonders bei Werbekampagnen; eine ausführliche Liste findest du in unserem Beitrag Red Flags bei SEA-Agenturen erkennen.
Tipp: Lass dir die Nutzungsrechte an Texten, Grafiken und Kampagnen sowie die Herausgabe offener Dateien ausdrücklich in den Vertrag schreiben. Die WKO-Muster-AGB für Werbeagenturen sehen das nicht automatisch vor. Verarbeitet die Agentur personenbezogene Daten für dich, gehört meist eine Vereinbarung zur Auftragsverarbeitung nach Art. 28 DSGVO dazu, die WKO stellt dafür ein Muster bereit. Das ist keine Rechtsauskunft – bei Zweifeln hol dir juristischen Rat.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie bewerte ich Agenturen am besten objektiv?
Gib jedem der zehn Kriterien eine Gewichtung von eins bis drei und vergib pro Agentur null bis zwei Punkte. Multipliziere, addiere und vergleiche die Summen. So wird aus dem Bauchgefühl eine nachvollziehbare Entscheidung, die du auch im Team begründen kannst.
Ist eine Google-Partner-Agentur automatisch gut?
Nein, aber das Abzeichen sagt etwas aus. Laut Google braucht eine Partner-Agentur unter anderem einen Optimierungsfaktor von mindestens 70 Prozent und 10.000 US-Dollar Werbeausgaben in 90 Tagen. Über Strategie, Betreuung und Fit sagt es wenig.
Wem gehören Konten und Dateien nach dem Vertragsende?
Das regelt dein Vertrag. Werbe- und Analysekonten sollten von Anfang an auf dein Unternehmen laufen. Bei Dateien und Nutzungsrechten lohnt eine ausdrückliche Vereinbarung, denn die WKO-Muster-AGB sehen die Herausgabe offener Dateien nicht automatisch vor.
Wie lange sollte die Vertragslaufzeit sein?
Bei SEO brauchen Ergebnisse meist mehrere Monate, eine kurze Probezeit ist trotzdem sinnvoll. Das WKO-Muster für einen Agenturvertrag sieht einen Vertrag auf unbestimmte Zeit mit vereinbarter Kündigungsfrist vor. Achte darauf, dass du die Frist selbst aushandelst.
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