★ Praxis-Guide · Stand Oktober 2026
Content Marketing für Agenturen in Österreich: So gewinnst du eigene Leads
Kaltakquise ist rechtlich eng und kostet Zeit. Mit eigenem Content holst du dir Anfragen von Unternehmen, die dich schon kennen, bevor sie dich kontaktieren.
Agenturen erklären ihren Kund:innen jeden Tag, warum gute Inhalte verkaufen. Bei der eigenen Website sieht es oft anders aus: ein Referenzslider, ein Leistungsblock, der letzte Blogbeitrag ist zwei Jahre alt. Neue Projekte kommen über Empfehlungen, und wenn die ausbleiben, greift man zum Telefon. Dieser Guide zeigt dir, wie du als Agentur in Österreich mit eigenem Content planbar Leads gewinnst – und wo die rechtlichen Grenzen der Kaltakquise liegen.

Content Marketing für die eigene Agentur: Leads statt Kaltakquise
Gleich zur Abgrenzung: Wenn du wissen willst, wie Content Marketing für Unternehmen allgemein funktioniert, findest du dazu einen eigenen Guide. Hier geht es um die Eigenvermarktung. Auch wer als Content Marketing Agentur täglich für andere schreibt, steht bei sich selbst vor denselben Fragen: Welche Themen ziehen die richtigen Kund:innen an, welche Formate schaffen Vertrauen, und wie wird aus einem Leser eine Anfrage?
Der Unterschied zur Kaltakquise liegt in der Richtung. Beim Kaltanruf unterbrichst du jemanden, der gerade kein Problem hat. Beim Content findet dich jemand, der gerade eines hat – und hat bis zum Erstgespräch schon gesehen, wie du denkst und arbeitest. Das verkürzt den Verkauf und filtert Anfragen vor, die ohnehin nicht passen.
Was das Gesetz zur Kaltakquise sagt
In Österreich regelt § 174 TKG 2021 unerbetene Nachrichten (früher § 107 TKG 2003). Laut Abs. 1 sind Werbeanrufe ohne vorherige Einwilligung unzulässig. Laut WKO gilt das auch für Anrufe zur ersten Kontaktaufnahme mit potenziellen Kund:innen, und der Gesetzestext macht dabei keinen Unterschied zwischen Privatpersonen und Unternehmen. Dass eine Nummer im Impressum oder im Telefonbuch steht, gilt laut WKO nicht als Zustimmung.
Für E-Mails und SMS zu Werbezwecken verlangt Abs. 3 ebenfalls eine vorherige Einwilligung. Ausnahme ist laut Abs. 4 nur die bestehende Kundenbeziehung: Die Adresse stammt aus einem Verkauf oder einer Dienstleistung, du bewirbst eigene ähnliche Leistungen, und der Empfänger kann jederzeit einfach widersprechen. Die Strafrahmen in § 188 TKG 2021 sind deutlich: bis zu 50.000 Euro bei unerbetenen E-Mails, bis zu 100.000 Euro bei unerbetenen Werbeanrufen. Dieser Überblick ersetzt keine Rechtsauskunft – im Zweifel klärst du deinen Fall mit der WKO oder einer Kanzlei.
Der Markt: viele Anbieter, wenig Unterscheidung
Laut WKO-Branchenstatistik zählte der Fachverband Werbung und Marktkommunikation 2025 rund 26.700 Unternehmen, von denen Ende 2025 71,6 Prozent Ein-Personen-Unternehmen waren. Die Umsatzerlöse der Branche lagen laut WKO 2024 bei rund 9,2 Milliarden Euro. Der Fachverband umfasst mehr als Online-Agenturen, die Zahlen zeigen aber die Größenordnung: Wer eine Agentur sucht, hat sehr viel Auswahl.
Genau deshalb entscheidet sich die Wahl oft vor dem ersten Kontakt. Unternehmen prüfen Referenzen, Fachwissen und Arbeitsweise – das sind dieselben Kriterien bei der Agenturauswahl, die wir Auftraggebern empfehlen. Content ist der Ort, an dem du diese Kriterien sichtbar machst. Für die vielen Einzelunternehmer:innen in der Branche heißt das auch: Das Content-System muss neben dem Kundengeschäft laufen, nicht anstelle davon.
Diese Formate bringen Agenturen Anfragen
- Fachartikel: beantworten die Fragen, die Kund:innen im Erstgespräch stellen – Kosten, Dauer, Ablauf. Jede gute Antwort ist ein Suchtreffer und ein Verkaufsargument.
- Fallstudien: zeigen Ausgangslage, Vorgehen und Ergebnis. Hol dir vorher eine schriftliche Freigabe der Kund:innen und nenne Zahlen nur, wenn sie freigegeben sind.
- Newsletter: halten Kontakte warm, die noch nicht kaufen. Versand nur mit Einwilligung oder im Rahmen der Ausnahme für bestehende Kund:innen.
- LinkedIn: ist der Kanal, auf dem Entscheider:innen Fachinhalte lesen. Aus unserer Sicht wirken persönliche Profile nahbarer als reine Unternehmensseiten.
- Webinare: funktionieren als Einladung zum Kennenlernen: 45 Minuten Praxiswissen, danach ein Angebot für ein Gespräch.
- Vergleichsportale: fangen Unternehmen ab, die aktiv vergleichen. Ein gepflegtes Profil mit Referenzen und klaren Leistungen wirkt hier wie eine zweite Startseite.
LinkedIn verdient einen genaueren Blick. Laut Statista hatte die Plattform im Juni 2026 rund 3,3 Millionen Nutzer:innen in Österreich. International zeigt der B2B Thought Leadership Impact Report von Edelman und LinkedIn (2025, knapp 2.000 Führungskräfte befragt), dass 95 Prozent der Befragten gute Fachinhalte für aussagekräftiger halten als klassische Werbung, wenn es um die Fähigkeiten eines Anbieters geht. 79 Prozent würden sich in einer Ausschreibung eher für einen Anbieter einsetzen, der regelmäßig solche Inhalte veröffentlicht. Die Studie ist nicht österreichspezifisch, die Richtung ist aber eindeutig.

Warum sich der Aufwand lohnt
Bessere Anfragen
Wer dich über Inhalte findet, kennt deine Arbeitsweise schon.
Kürzerer Verkauf
Viele Fragen sind vor dem Erstgespräch beantwortet.
Rechtlich entspannt
Wer dich selbst anfragt, hat den Kontakt gesucht.
Wiederverwertbar
Ein Fachartikel liefert Stoff für Posts, Newsletter und Webinar.
So startest du in 90 Tagen
Fang mit einer Liste der zehn häufigsten Fragen aus deinen letzten Erstgesprächen an. Daraus werden die ersten Fachartikel. Parallel schreibst du zwei bis drei Fallstudien zu Projekten, die du gern öfter hättest. Nach rund einem Monat kommt LinkedIn dazu: Jeder Artikel wird zu mehreren kurzen Beiträgen. Achte bei allem auf klare, zitierfähige Aussagen – das hilft auch bei der Sichtbarkeit in ChatGPT und Co., weil KI-Assistenten solche Passagen gern als Antwort übernehmen. Ein Eintrag im Agenturverzeichnis mit vollständigem Profil gehört von Anfang an dazu.
Tipp: Schreib für die Branche, in der du die meisten Referenzen hast. Ein Artikel über SEO für Tischlereien bringt einer Agentur mit Handwerkskund:innen mehr als der hundertste allgemeine SEO-Ratgeber.
Die folgende Übersicht ist eine Einschätzung aus der Praxis, keine gemessene Größe – Aufwand und Wirkung hängen stark von Thema und Zielgruppe ab.
| Format | Aufwand (Einschätzung) | Wirkung | Wann sinnvoll |
|---|---|---|---|
| Fachartikel | mittel | langfristig, über Suche | immer, als Basis |
| Fallstudie | mittel bis hoch | stark im Entscheidungsprozess | sobald Freigaben vorliegen |
| Newsletter | gering bis mittel | hält Kontakte warm | ab einer kleinen Liste |
| gering je Beitrag | Reichweite bei Entscheider:innen | für B2B-Agenturen | |
| Webinar | hoch | direkte Gesprächsanlässe | bei erklärungsbedürftigen Leistungen |
| Vergleichsportal | gering | Kontakt mit aktiv Suchenden | von Anfang an |
Häufige Fragen (FAQ)
Ist Kaltakquise per Telefon bei Unternehmen in Österreich erlaubt?
Laut § 174 Abs. 1 TKG 2021 sind Werbeanrufe ohne vorherige Einwilligung unzulässig. Laut WKO gilt das auch für Anrufe bei Unternehmen zur ersten Kontaktaufnahme. Dieser Hinweis ersetzt keine Rechtsauskunft.
Darf ich bestehenden Kund:innen einen Newsletter schicken?
Ja, unter den Bedingungen von § 174 Abs. 4 TKG 2021: Die Adresse stammt aus einer Kundenbeziehung, du bewirbst ähnliche eigene Leistungen und der Empfänger kann jederzeit einfach widersprechen.
Wie schnell bringt Content Marketing einer Agentur Leads?
Eine seriöse Zahl gibt es dafür nicht. Erfahrungsgemäß wirken Vergleichsportale und LinkedIn schneller, während Fachartikel über die Suche meist mehrere Monate brauchen.
Welches Format sollte eine kleine Agentur zuerst umsetzen?
Am meisten bringt meist eine Kombination aus Fachartikeln zu den häufigsten Kundenfragen und zwei bis drei Fallstudien. Beides lässt sich danach für LinkedIn und Newsletter weiterverwenden.
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