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18. Oktober 2026

★ Praxis-Guide · Stand Oktober 2026

Agentur oder Inhouse in Österreich: Wann sich Outsourcing lohnt

Eigene Marketing-Abteilung, Agentur oder eine Mischung aus beidem? Hier bekommst du die echten Kosten, eine ehrliche Abwägung und eine Entscheidungshilfe für dein Unternehmen.

Früher oder später stellt sich in fast jedem KMU die Frage: Stellen wir jemanden fürs Marketing ein, oder geben wir das an eine Agentur? Die Antwort hängt weniger vom Bauchgefühl ab als von ein paar nüchternen Zahlen – Gehalt, Lohnnebenkosten, Tools – und davon, wie viel Spezialwissen du wirklich brauchst. Wir rechnen beides durch und zeigen dir, wann ein Hybrid-Modell die bessere Lösung ist.

Checkliste zur Entscheidung zwischen Agentur und Inhouse-Marketing
Sechs Fragen, die du vor der Entscheidung klären solltest.

Agentur oder Inhouse: Worum es bei der Entscheidung wirklich geht

Bei der Frage „agentur oder inhouse“ vergleichen viele nur das Monatshonorar einer Agentur mit einem Bruttogehalt. Das greift zu kurz. Eine angestellte Person kostet dich deutlich mehr als ihr Gehalt, und eine Agentur liefert nicht automatisch mehr Leistung, nur weil sie mehrere Spezialist:innen beschäftigt.

Drei Fragen helfen beim Sortieren: Wie viel Arbeit fällt dauerhaft an? Wie breit muss das Know-how sein – reicht eine Generalistin, oder brauchst du SEO-Technik, Google Ads, Design und Tracking gleichzeitig? Und wie nah muss Marketing am Tagesgeschäft sein, etwa bei Produktwissen, Kundenfragen oder schnellen Aktionen?

Was eine Inhouse-Stelle in Österreich wirklich kostet

Beginnen wir beim Gehalt. Das AMS Berufslexikon nennt für Online-Marketing-Manager:innen ein Einstiegsgehalt von 2.540 bis 4.280 Euro brutto im Monat, berechnet aus den Mindestgehältern der typischerweise anwendbaren Kollektivverträge (Datenstand 2025). Die Gehaltsdaten von karriere.at liegen für Marketing-Manager:innen bei 2.349 bis 3.916 Euro brutto, für SEO-Jobs bei 2.305 bis 3.841 Euro – jeweils Vollzeit.

Als Orientierung für die Untergrenze dient der Kollektivvertrag. Laut WKO gilt für Angestellte in Wiener Werbe- und Marktkommunikationsbetrieben seit 1. Mai 2026 eine neue Gehaltsordnung: In Verwendungsgruppe 4, zu der laut KV-Text etwa Werbetexter:innen und Analytiker:innen zählen, beträgt das Mindestgehalt zu Beginn 2.844,20 Euro, in Verwendungsgruppe 5 sind es 3.521,80 Euro. Dazu kommen laut Kollektivvertrag ein 13. und 14. Gehalt. Achtung: Dieser KV gilt nur für Wiener Mitgliedsbetriebe der Fachgruppe – arbeitest du in einer anderen Branche, gilt dein eigener KV.

Balkendiagramm der Mindestgehälter in den Verwendungsgruppen 3 bis 5 im KV Werbung Wien 2026
Mindestgehälter zu Beginn der Verwendungsgruppen 3 bis 5, gültig ab 1. Mai 2026, 14 Mal pro Jahr. Quelle: WKO, Gehaltsordnung Werbung und Marktkommunikation Wien, 2026

Dann die Lohnnebenkosten. Laut WKO liegt der Dienstgeberanteil zur Sozialversicherung für Angestellte 2026 bei 20,98 Prozent, dazu kommen 1,53 Prozent Betriebliche Vorsorge. Weiters fallen der Dienstgeberbeitrag zum FLAF (laut WKO seit 2025 3,7 Prozent), der Zuschlag zum DB (je nach Bundesland 0,31 bis 0,40 Prozent laut freefinance.at) und 3 Prozent Kommunalsteuer an. In Summe sind das rund 29 bis 30 Prozent auf das Bruttogehalt, in Wien zusätzlich die U-Bahn-Steuer.

Ein Rechenbeispiel (eigene Berechnung, Wiener Sätze): Bei 3.500 Euro brutto zahlst du 49.000 Euro Jahresgehalt und mit rund 29,6 Prozent Lohnnebenkosten etwa 63.500 Euro pro Jahr. Noch nicht eingerechnet sind Arbeitsplatz, Hardware, Weiterbildung, Recruiting und die Einarbeitungszeit.

Und die Tools. Ein SEO-Tool wie SISTRIX kostet laut Preisliste 119 bis 419 Euro netto pro Monat in den gängigen Paketen, Ahrefs startet im Lite-Tarif bei 129 US-Dollar monatlich, Canva Pro kostet laut Canva 110 Euro pro Jahr und Person. Mit Tracking-, Newsletter- und Social-Media-Tools kommen schnell einige Hundert Euro im Monat zusammen – Lizenzen, die eine Agentur ohnehin hat und auf mehrere Kund:innen verteilt.

Was die Agentur kostet – und was du dafür bekommst

Agenturhonorare schwanken stark, je nach Kanal und Umfang. Ein paar belegte Richtwerte: Für Social-Media-Betreuung nennt der Herold-Ratgeber (Juni 2026) Agenturpakete ab etwa 800 bis 1.200 Euro im Monat, bei Google Ads arbeiten Agenturen laut Herold häufig mit 15 bis 25 Prozent des Werbebudgets als Honorar. Für SEO findest du die gängigen Modelle und Spannen in unserem Beitrag was SEO in Österreich kostet.

Der größte Vorteil: Du kaufst Spezialwissen in genau der Menge, die du brauchst. Wer etwa nur Suchanzeigen sauber betreuen lassen will, findet geprüfte SEA-Agenturen in Wien, ohne eine ganze Stelle zu finanzieren. Der Nachteil: Eine Agentur kennt dein Geschäft nie so gut wie jemand im Haus, Abstimmungen kosten Zeit, und du bist eine Kundin unter vielen.

🧠

Spezialwissen

Mehrere Disziplinen aus einer Hand statt einer Generalistin.

⚡

Schneller Start

Kein Recruiting, keine Einarbeitung, sofort einsatzbereit.

🔄

Flexibel skalieren

Leistung rauf- oder runterfahren statt Fixkosten.

🏠

Nähe zum Betrieb

Inhouse kennt Produkte, Kund:innen und Abläufe besser.

Inhouse, Agentur oder Hybrid im direkten Vergleich

KriteriumInhouseAgenturHybrid
KostenFix: Gehalt plus rund 29–30 % Lohnnebenkosten, Tools, ArbeitsplatzVariabel: Monatshonorar oder Projektpreis, Tools inklusiveEine Stelle plus kleineres Agenturbudget
Know-howMeist breit, selten in allen Spezialgebieten tiefMehrere Spezialist:innenStrategie im Haus, Spezialwissen extern
StartzeitRecruiting und EinarbeitungIn der Regel wenige WochenMittel
Nähe zum GeschäftSehr hochGeringer, braucht gutes BriefingHoch
AusfallrisikoUrlaub, Krankheit, KündigungTeam fängt Ausfälle abGering
Passt fürLaufend hoher Bedarf, viel ContentSpezialkanäle, schwankender BedarfDie meisten KMU mit Wachstumsplänen

Hybrid: Für viele KMU der beste Kompromiss

In der Praxis landen viele Unternehmen bei einer Mischform. Eine Person im Haus hält die Fäden zusammen, kennt Zielgruppe und Angebot und liefert Inhalte. Die Agentur übernimmt, was tiefes Spezialwissen oder teure Tools braucht. Typische Aufteilungen sehen so aus:

  • Im Haus: Strategie, Social-Media-Alltag, Newsletter, Abstimmung mit Vertrieb und Geschäftsführung
  • Bei der Agentur: Google Ads, technisches SEO, Tracking-Setup, Design und größere Kampagnen
  • Gemeinsam: Content-Planung, Reporting und die Auswertung, was wirklich Anfragen bringt
  • Mit KI-Unterstützung: Routineaufgaben wie Entwürfe oder Auswertungen, die heute schneller gehen – mehr dazu in unserem Beitrag zu KI im Online-Marketing

Wichtig ist eine klare Rollenverteilung: Wer entscheidet über Budget, wer liefert Inhalte, wer berichtet an wen? Ohne diese Klarheit zahlst du doppelt – für interne Zeit und für Agenturstunden, die in Abstimmung versickern.

Tipp: Egal, wofür du dich entscheidest: Werbekonten, Analytics, Domain und Tool-Zugänge gehören immer deinem Unternehmen. Dann kannst du jederzeit wechseln oder Aufgaben ins Haus holen, ohne bei null anzufangen.

So triffst du die Entscheidung

Schreib zuerst auf, welche Aufgaben in den nächsten zwölf Monaten wirklich anfallen und wie viele Stunden sie realistisch brauchen. Reicht das nicht für eine volle Stelle oder braucht es mehrere Spezialgebiete gleichzeitig, spricht viel für eine Agentur oder ein Hybrid-Modell. Ist der Bedarf hoch, konstant und eng mit dem Tagesgeschäft verwoben, lohnt sich eine eigene Stelle eher.

Wenn du dich für externe Unterstützung entscheidest, hilft dir unser Leitfaden, die passende Agentur Schritt für Schritt zu finden. Einen Überblick über Anbieter nach Leistung und Region bekommst du im Agenturverzeichnis für Österreich.

Häufige Fragen (FAQ)

Was kostet eine Online-Marketing-Fachkraft in Österreich wirklich?

Laut AMS Berufslexikon liegt das Einstiegsgehalt für Online-Marketing-Manager:innen bei 2.540 bis 4.280 Euro brutto im Monat, 14 Mal im Jahr. Dazu kommen rund 29 bis 30 Prozent Lohnnebenkosten sowie Tools, Arbeitsplatz und Weiterbildung. Bei 3.500 Euro brutto landest du nach eigener Rechnung bei etwa 63.500 Euro Arbeitgeberkosten pro Jahr.

Ab wann lohnt sich eine eigene Marketing-Abteilung?

Als Faustregel gilt: wenn du laufend so viel Arbeit hast, dass eine Person dauerhaft ausgelastet ist, und wenn Marketing eng mit Produkt, Vertrieb oder Kundenservice verzahnt sein muss. Für einzelne Spezialdisziplinen wie SEO-Technik oder Google Ads reicht der Bedarf bei vielen KMU dafür nicht aus.

Was ist ein Hybrid-Modell im Marketing?

Beim Hybrid-Modell behältst du Strategie, Inhalte und Abstimmung im Haus, meist mit einer Person, die das Marketing koordiniert. Spezialaufgaben wie Kampagnensteuerung, technisches SEO oder Design vergibst du an eine Agentur oder an Freelancer:innen.

Wie vermeide ich Abhängigkeit von einer Agentur?

Lass alle Werbekonten, Analytics-Properties und Tool-Zugänge auf dein Unternehmen laufen, vereinbare regelmäßige Reportings und eine überschaubare Kündigungsfrist. So kannst du jederzeit wechseln oder Aufgaben ins Haus holen.

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